Wann und warum wurde in Süßen eine Feuerwehr gegründet?
Nachdem bei einem – durch zündelnde Kinder verursachten – Brand in Kleinsüßen die damalige Zehntscheuer abbrannte und die in diesem Gebäude untergebrachten Löschgerätschaften in Mitleidenschaft gezogen wurde, kam es am 8. September 1869 zu einer Übereinkunft von Groß- und Kleinsüßen zur Bildung eines Feuerlöschverbandes. Dieses Ereignis sollte somit Grundlegend das Feuerlöschwesen in Kleinsüßen verbessern. Darüber hinaus beteiligte sich von diesem Zeitpunkt an die Gemeinde Kleinsüßen an Anschaffungskosten von Feuerlöschgerätschaften der Großsüßener. Dieser Feuerlöschverband war damals der einzige im Oberamtsbezirk Geislingen.
 
Am 2. Oktober 1875 beschlossen die bürgerlichen Kollegen des Gemeinderats und Bürgerausschusses von Groß- und Kleinsüßen die Gründung einer Feuerwehr. Diese wurde am 27. März 1876 mit der Wahl des ersten Kommandanten der "militärisch organisierten Feuerwehr" abgeschlossen.
 
Durch die an Weihnachten 1909 in Betrieb genommene Druckwasserleitung wurden die damals 320 Mann der Pflichtfeuerwehr verabschiedet und die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr angestrebt. Am 23. Februar 1910 wurde von Seiten der bürgerlichen Kollegien der Beschluss hierfür gefasst.
 
In Folge der auf Anregung des Geislinger Oberamts zustande gekommenen ersten Vereinigungsbesprechungen beider Gemeinden kam es auch im Bezug auf die Feuerwehrarbeit zu Meinungsverschiedenheiten. So geschah es, dass Kleinsüßen insgesamt dreimal versuchte wieder eine eigene Feuerwehr zu gründen. Sowohl 1910, 1913 und 1931 scheiterte das Vorhaben an der vorgeschrieben Sollstärke und an finanziellen Mitteln. Durch die Vereinigung der beiden Ortschaften am 15. September 1933 wurde jedoch die langjährige Kooperation auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens bestätigt.
 
Vorführung der Kleinmotorspritze TS 8 (1934)
Vorführung der Kleinmotorspritze TS 8 (1934) 
 
Entwicklung der Ausrüstung und Organisation der Wehr bis 1976
Personelle Probleme in den Jahren nach 1945 gab es für die Freiwillige Feuerwehr Süßen nicht. Im Gegenteil, sie erhielt raschen Zuwachs, sodass sie 1947 eine Stärke von 57 Mann erreichte. Die Probleme der Nachkriegszeit gingen allerdings nicht gänzlich an der Süßener Wehr vorüber: so entspricht die technische Ausrüstung nicht den Erfordernissen der Zeit. Abhilfe bringt die Beschaffung einer Kraftspritze von der Feuerwehr Göppingen.
 
In den folgenden Jahren werden dann die Forderungen nach zeitgemäßeren Meldeanlagen laut, welche im Jahr 1954 mit der Inbetriebnahme einer "Weckerlinie" mit über 30 Anschlüssen sorge getragen wird. Im gleichen Jahr werden der Feuerwehr außerdem ein neues Löschfahrzeug (LF 15) sowie eine Anhängeleiter übergeben. 1961 folgt außerdem ein TSF 8.
 
Schon seit Ende des Krieges war es ein Wunsch der Wehr aus dem Gebäude neben dem Rathaus in ein "richtiges" Feuerwehrgerätehaus zu ziehen. Am 5. September 1969 war es dann endlich soweit, zusammen mit der DRK-Ortsgruppe Süßen könnte das Gebäude in der Stiegelwiesenstraße bezogen werden. Das Gebäude war mit allem ausgestattet was der Wehr bis dahin gefehlt hatte: Lehrsaal, Kommandozentrale und Platz für weitere Fahrzeuge. Diese kamen in der Folge auch dazu: 1971 wurde ein neues Tanklöschfahrzeug (TLF 15) eingeweiht, 1973 ein neues TSF.
 
Gerätehaus mit Fuhrpark (1976)
Gerätehaus mit Fuhrpark (1976)
 
Der Wandel von einer Dorf- zu einer Stadtfeuerwehr
Nachdem 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Süßen gab es nicht nur einen Wandel der Gesellschaft, der Werte und der Wissenschaft zu beobachten – auch im Bereich der Feuerwehr änderte sich einiges. So wandelte sich die von dörflich geprägten Strukturen Feuerwehr zu einer modernen, den Bedürfnissen einer Stadt angepassten Feuerwehr.
 
Der größte Umbruch fällt zweifellos in die 15-jährige Amtszeit von Ehrenkommandant Karl Bühler. Unter seiner Führung wurden vier Fahrzeuge angeschafft, darunter auch die sich über acht Jahre ziehende Beschaffung der Drehleiter DLK 18/12, welche sich seither in einer Vielzahl von Einsätzen bewährt hat und nicht mehr weg zu denken ist.
 
Doch nicht nur im technischen, sondern auch im personellen Bereich hat sich einiges verändert: die Anforderungen an die Feuerwehrangehörigen steigen ständig, was einen enormen Aufwand bei der Aus- und Fortbildung mit sich brachte. Und waren es früher hauptsächlich Landwirte und ortsansässige Selbstständige, die Mitglieder der Feuerwehr waren, so sind es heute Personen aus den verschiedensten Berufssparten, die ihr Wissen in die Arbeit mit einbringen.